Die Hochschule Mainz auf dem European Media Art Festival 2014

Mit der Ausstellung und Konferenz WE, THE ENEMY umkreist das European Media Art Festival (EMAF) 2014 die seit den ersten Edward-Snowden-Unterlagen immer wieder mit neuen Veröffentlichungen gestützten Diskussionen um das Themenfeld „Surveillance und Big Data“.

Auffallend ist die Vielzahl und Bandbreite der künstlerischen Positionen, die sich mit der alle Grenzen überschreitenden digitalen Überwachung auseinandersetzen und die Beziehungen zwischen Macht, Wirtschaft, Kunst, Individuum und gesellschaftlichem Leben ins Auge fassen.

Das Institut für Mediengestaltung ist auf Einladung von Alfred Rotert auf dem diesjährigen Festival vertreten. Das img präsentiert den Studiengang Zeitbasierte Medien und im Ausstellungsbereich Arbeiten von Erik Freydank, Kevin Röhl, Cornelius Koch und Benjamin Böhm. Im Filmprogramm laufen u. a. Filme und Videos der FHM-Studenten Konstantin Enste, Johannes Furrer, Daniel Seideneder, Alexander Meier, Tamar Inasaridze sowie neue Filme der FHM-Absolventen Sebastian Jansen und Lukas Rinker. Zudem halten Tjark Ihmels und Hartmut Jahn auf dem Hochschultag Vorträge zum Verhältnis von Gestaltung, Medien, Kunst und Lehre.

Im Programm des img: Installationen, Vorträge und Workshop

STIMMMALER – PAINT WITH YOUR VOICE
Installation von Benjamin Böhm, Julian Hermann, Tim Rizzo, Manfred Liedtke, Prof. Anja Stöffler, Jochen Huber

Die interaktive Installation „Stimmmaler – Paint with your Voice“ lässt Besucher mit ihrer eigenen Stimme auf einer projizierten Leinwand malen. Dabei interagiert der Besucher mit einem augmentierten Megaphone, das den Pinsel auf der virtuellen Leinwand steuert.

MACINTALK – A MAC IN DIALOG WITH ITSELF
Installation von Erik Freydank und Kevin Röhl

In einem medienkritischen Experiment erhält ein Computer eine „Persönlichkeit“ und menschliche Attitüde. “Tim Macintalk” kommuniziert über die interne Sprachausgabe und -erkennung mit sich selbst sowie mit der Außenwelt und führt automatisiert menschliche Arbeitsvorgänge aus, indem er Mails schreibt, Programme nutzt und soziale Netzwerke betritt. (Ein Media-Campus-Projekt).

HOCHSCHULEN und MEDIENKUNST – EMAF Campus-Vorträge

Mit Kathy Rae Huffman (L.A.), Prof. Hartmut Jahn, Prof. Tjark Ihmels (FH Mainz) und Studierenden der KHM Köln.

REARRANGING THX 11-38 – Workshop

Cornelius Koch, Student im Master-Studiengang Zeitbasierte Medien der FH Mainz, lud zu einem Workshop mit der Software „Resolume Arena“ im Spannungsfeld von VJ-ing, Überwachung und Klangvisualisierung. Dem audiovisuellen Projekt liegt der Spielfilm „THX 11-38“ von George Lucas zu Grunde. In seinem Workshop vermittelte Cornelius den Teilnehmern eine Einführung in die technischen und künstlerischen Möglichkeiten der VJ-Software. Als Resultat wurde visuelles Material gespielt wie ein Musikinstrument.

GENRE UND LUSTSPIEL – Kurzfilme aus Mainz

Animationen, Kurz- und Dokumentarfilme werden von der FH Mainz in drei Filmprogrammen über die Festivalzeit präsentiert. What I can never express! Süsses und 40 Gramm Fleischwurst stehen Im Fokus, als Resultat eine Vollnarkose und eine riskante Erinnerung. Auf ein Wiedersehen! Markus Walenzyk, der Mediendesign an der FH Mainz studiert hat, ist heute in der Filmklasse der Uni-Mainz und zeigt im Ausstellungsprogramm seine Installation WAXED. Sein eigenes Gesicht taucht Markus Walenzyk immer wieder in flüssiges Wachs und lagert so Schicht für Schicht eine Wachsmaske an, die ihm das Atmen erschwert und sein Äußeres verändert. Nach und nach entsteht ein neues Porträt-Bild des Mannes, das sowohl an eine Totenmaske als auch an ein zeitloses, marmornes Abbild einer klassischen antiken Figur erinnert.

Das EMAF – über 25 Jahre Medienkunst

Das EMAF zählt zu den bedeutendsten Foren der internationalen Medienkunst. Als Treffpunkt für Künstler, Kuratoren, Verleiher, Galeristen und Fachpublikum prägt es entscheidend die Thematik, Ästhetik und Zukunft der medialen Kunst. Das Festival bietet einen aktuellen und historischen Überblick mit Experimentalfilmen, Installationen, Performances, digitalen Formaten und hybriden Formen. Dabei reicht das inhaltliche Spektrum von persönlichen und politischen Themen oder gestalterischen Experimenten bis zu provokanten Aussagen aus dem Spannungsfeld Medienkunst/Gesellschaft – in diesem Jahr unter dem Motto „We, the enemy“ mit Bezug auf Spähaffäre und Datensicherheit.

Auf dem Festival wird der „EMAF-Award“ für eine richtungsweisende Arbeit in der Medienkunst vergeben. Weiterhin verleiht das EMAF den „arte creative Newcomer Award“, und von einer internationalen Jury wird der „Dialogpreis“ des Auswärtigen Amts zur Förderung des interkulturellen Austauschs vergeben. Hinzu kommt noch der EMAF-Medienkunst-Preis der Deutschen Filmkritik.

WE, THE ENEMY – BURNING CLOUDS

Der diesjährige Kongress bietet die Möglichkeit, psychologische und inszenatorische Mechanismen der Überwachung auszuloten, Perspektiven für eine traumatisierte Gesellschaft zu entwerfen und zu verdeutlichen, wie die Sprache der Überwachung in Wort, Bild und Technologie funktioniert. Die Reaktion der Medienkunst und die sich aus der künstlerischen Auseinandersetzung entwickelnden Positionen sind elementarer Bestandteil für die Suche nach Handlungsoptionen. Welche politischen Forderungen lassen sich heute schon formulieren, um einer total vernetzten Zukunft zu begegnen, in der wir selbst zwangsläufig zu unseren ärgsten Feinden werden?

WHISTLEBLOWING, JOURNALISM AND PRIVACY

Annie Machon Annie Machon war in den 90er Jahren Nachrichtenoffizierin für den britischen Inlandsgeheimdienst MI5, den sie dann verließ um als Whistleblower Interna über die Verbrechen und die Inkompetenz britischer Geheimdienste in die Öffentlichkeit zu tragen. Als Folge davon mussten sie und ihr früherer Lebensgefährte durch ganz Europa fliehen, im Exil in Frankreich leben, stets mit einer Festnahme und einer Gefängnisstrafe rechnen und zuschauen, wie Freunde, Familienmitglieder und Journalisten festgenommen wurden. Heute ist Annie Machon Autorin, Medienberichterstatterin, politische Aktivistin und internationale öffentliche Rednerin für eine Reihe verwandter Themen: den Kampf gegen den Terrorismus, den Kampf gegen Drogen, den Kampf gegen Whistleblower und den Kampf gegen das Internet. Sie leitet die „Courage“ Stiftung, die es sich zum Ziel gemacht hat, sich für Whistleblower einzusetzen und Geld für deren Rechtsverteidigung zu beschaffen.

SICHERHEITSFORSCHUNG JENSEITS VON GUT UND BÖSE
Dr. Stephan Humer

Sicherheitsforschung ist ein komplexes Thema, nicht nur wegen der technischen Dynamik in Zeiten der digitalen Revolution. Zivilklauseln sollen zum Beispiel „böse“ militärische Forschung unterbinden und „gute“ Forschung symbolisch-moralisch unterstützen. Doch ist das realistisch? Wie kann Sicherheit heutzutage ganzheitlich eingeschätzt, bewertet, entschieden werden? Der Vortrag diskutiert diese Fragen anhand eines Biometrie-Forschungsvorhabens an der UdK Berlin.

ÜBERWACHEN UND SPRACHE: HOW TO DO THINGS WITH WORDS
Prof. Dr. Joachim Scharloth

Der Vortrag stellt fortgeschrittene linguistische Methoden des politisch motivierten Internetmonitorings vor, einem Forschungsbereich, auf den die NSA besonderen Wert legt. Anhand eines fiktiven „Advanced Security Toolkits“ zur automatischen Sprachanalyse wird demonstriert, was heute linguistisch-statistisch hinsichtlich Überwachung möglich ist. Der Vortrag gibt keine Anleitung, wie man sich der Überwachung wirkungsvoll entziehen kann – denn das ist ohnehin zwecklos. WIR WERDEN ALLE ÜBERWACHT. UND NUN? Michael Seemann Die Überwachung ist allgegenwärtig, Kryptographie oder Politiker können die Bürger nicht davor schützen. Diese Tatsache hat gravierende Auswirkungen auf den Aktivismus. Wie kann gegen Überwachung gekämpft werden, wenn alle wissen, dass sie überwacht werden?, fragt Michael Seemann in seinem Vortrag und macht gleichzeitig Vorschläge für eine sich verändernde Debatte um Überwachung, in der das 1 Bit-Überwachungsmem obsolet geworden ist.

UNDER SURVEILLANCE | UNDER THE RADAR
Christoph Wachter und Mathias Jud

Die Schweitzer Künstler Christoph Wachter und Mathias Jud setzen sich seit Jahren mit der Medienüberwachung durch staatliche Organe, Geheimdienste und dem Militär auseinander. In ihren Arbeiten dokumentieren sie widerrechtliche Eingriffe in die Kommunikationsnetze und schaffen mit von ihnen entwickelten Netzen neue Schutzräume für den Datenverkehr. Mit ihrem nutzerbestimmten Netzwerk „qaul.net“ oder ihrem Krypto-Projekt „picadae“ erkunden sie die Grenzen der staatlichen Überwachung und reklamieren Kommunikationsräume, die frei von Herrschaftsinteressen und kommerziellen Zugriffen sind.

MAJORITY REPORT
David Dorrell

In ‘The Majority Report’ untersucht Künstler und Autor David Dorrell die möglichen Auswirkungen auf Pläne seitens der sozialen und medialen Netzwerke der NSA und des MI5 durch Mind-Hacking geistiges Eigentum zu stehlen, indem sie das Umfeld kontrollieren in dem politische Debatten stattfinden. Durch die Überprüfung der Bedrohung von Programmen wie NSAs Mystic und der scheinbar vorhersehbaren Inhalte von Philip K. Dicks Science-Fiction Storys, versucht Dorrell über unseren derzeitigen Horizont hinaus in eine Welt, die von Selbstkontrolle und totaler Überwachung geprägt ist, zu schauen.

WOLLT IHR DIE TOTALE VERNETZUNG?
Salvatore Vanasco

Den Mechanismen und Suggestivkräften des politischen Totalitarismus scheinen kaum noch technologische Grenzen gesetzt. Doch erst durch die totale Vernetzung, in die sich der zukünftige homo protheticus als Teil eines gigantischen Internet of Things and Beings nahtlos fügen wird, werden auch Zensur, Überwachung und Kontrolle eine nie dagewesene Qualität erreichen. So stellt der Medienkünstler Salvatore Vanasco die entscheidende Frage: Wollt ihr die totale Vernetzung?

Kontakt: Prof. Hartmut Jahn

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